Geschichte der Bordfliegerei

 

Von der Entstehung bis zum Ende des II. Weltkriegs

 

Die Geschichte der Bordflieger begann vor über 100 Jahren in Frankreich. Im Jahre 1912 wurde erstmals ein französisches Versorgungsschiff, die "Foudre" (Blitz) für den Einsatz von Bordflugzeugen umgerüstet. Dieses Schiff verfügte bereits über ein Katapult für den Flugzeugstart und einen Hangar an Deck unmittelbar hinter dem Katapult, in dem die Flugzeuge gegen Witterungseinflüsse geschützt untergebracht werden konnten. Nach dem Einsatz wurden die Flugzeuge mittels eines Krans wieder an Deck gehievt.

 

Während des I. Weltkriegs waren Bordflugzeuge noch relativ selten. So genannte Flugzeugmutterschiffe wurden zumeist für Zwecke der Aufklärung eingesetzt. Gemeinsame Einsätze dieser Einheiten mit einer schnellfahrenden Flotte erwiesen sich aufgrund der zeitintensiven Flugoperationen, bei denen die Wasserflugzeuge nach ihrer Wasserung in der Nähe des Schiffes über einen Kran wieder an Bord geholt wurden, als nur schwer durchführbar. Außerdem bestand während des Flugbetriebs die Gefahr von U-Boot-Angriffen. Die frühen Bordfluganlagen dieser Schiffe, die meistens mit Pressluft betrieben wurden, funktionierten bereits recht zuverlässig, konnten aber nur relativ leichte Flugzeuge in die Luft bringen.

Auf deutscher Seite kamen entsprechende Bordflugzeuge sogar auf Hilfskreuzern zum Einsatz. Beispielsweise führte die SMS Wolf ein Aufklärungsflugzeug, genannt "Wölfchen", vom Typ Friedrichshafen FF 33E zum Aufspüren feindlicher Handelsschiffe mit an Bord. Dieses wurde bei Bedarf gestartet, wobei der Hilfskreuzer die dann über Funk gemeldeten Schiffe angriff.

 

In der Zeit zwischen den Weltkriegen entwickelte sich die Technologie weiter. Es entstanden vor allem auf deutscher Seite so genannte Katapultschiffe ("Friesenland", "Schwabenland") für den transatlantischen Luftpostverkehr der Lufthansa. Dabei wurden die von hydraulisch betriebenen Katapulten gestarteten Flugzeuge immer größer, bis zur viermotorigen Blohm & Voß Ha 139, die im II. Weltkrieg auch zu militärischen Zwecken eingesetzt wurde.

Darüber hinaus wurden zivile Bordflugzeuge auch zur Postbeförderung von Passagierdampfern aus eingesetzt. Auf zivilen Forschungsschiffen dienten sie der Seeaufklärung, Routenbestimmung, Eisbergaufklärung und im Notfall zum Krankentransport.

In etwa zur gleichen Zeit wurden auch die ersten großen Schlachtschiffe und Schweren Kreuzer (später auch Leichte Kreuzer) mit Bordfluganlagen ausgestattet, mit denen im Bedarfsfalle Aufklärungsflugzeuge sowie in seltenen Fällen auch Jagdflugzeuge (z.B. bei der italienischen Littorio) gestartet werden konnten. Auf manchen Schiffen wurden Bordfluganlagen aus Platzmangel über den schweren Geschütztürmen installiert. Eine besonders charakteristische Bordfluganlage besaßen die deutschen Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse sowie die britische King George V-Klasse, welche etwa mittschiffs über die Breite angeordnet war.

 

Im Zweiten Weltkrieg wurden Bordflugzeuge bei praktisch allen Kriegsmarinen in größerer Zahl eingesetzt. Die vor allem auf Schlachtschiffen und Schweren Kreuzern stationierten Bordflugzeuge dienten zur Luftaufklärung, für die Überführung von Personal und Dokumenten und für die Überbringung von Nachrichten, die aus Gründen der Geheimhaltung nicht gefunkt werden konnten. Sie konnten aber auch Bombenangriffe gegen feindliche Handelsschiffe und U-Boote fliegen.

Nun waren allerdings schon vor dem Krieg die ersten Flugzeugträger mit einem Flugdeck entstanden. Von Flugzeugträgern aus wurden Flugzeuge mit Fahrwerk gestartet, die nach dem Ende ihrer Mission auch wieder an Bord landen konnten. Die Flugzeugträger besaßen mit Dampf betriebene Katapulte auf dem Flugdeck, die zwecks stärkerer Beschleunigung der Flugzeuge deutlich länger waren als die der bisher verwendeten Bauarten. Flugzeugträger haben aber zu diesem Zeitpunkt die Katapultschiffe noch nicht verdrängt. Staaten, die wie das Deutsche Reich über keine Flugzeugträger verfügten, setzten weiter herkömmliche Katapultschiffe ein. Die Flugzeuge wurden mit Hilfe einer Bordfluganlage, dem Katapult, gestartet bzw. geschleudert. Das Katapult wurde in der Regel mit Pressluft oder Wasserdampf betrieben. In Großbritannien setzte man auch Raketenantriebe ein. Die Bordflugzeuge wurden auf die zum Abheben und Durchstarten nötige Geschwindigkeit beschleunigt. Um ein Flugzeug nach dem Ende seiner Mission wieder an Bord zu nehmen, musste es wassern und es wurde dann per Kran an Bord gehievt.

 

Bekannte deutsche zivile Bordflugzeuge waren Heinkel HE 12 und HE 58 sowie Junkers Ju 46. Während des I. Weltkriegs entstanden bei Flugzeugbau Friedrichshafen ca. 470 Bordflugzeuge des Typs Friedrichshafen FF 33.

In den 30er-Jahren wurden die für militärische Einsätze vorgesehenen Heinkel He 60 und He 114 sowie Arado Ar 196 entwickelt. Von letzterer wurden ca. 540 Exemplare produziert. Die Ar 196 wurde das Standardbordflugzeug der deutschen Marine. Das Flugzeug war auf nahezu allen großen schwimmenden Einheiten vertreten.

Großbritannien setzte während des II. Weltkriegs Bordflugzeuge der Typen Fairey Seafox und Supermarine Walrus ein. Aus Japan kam u.a. die Kawanishi N1K1, aus der Sowjetunion Berijew KOR-1 und aus den USA Vought OS2U Kingfisher. Technologisch gab es keine wirklich großen Unterschiede.

 

Nachkriegszeit bis heute

 

Mit der Einführung von Hubschraubern bei den Marinen in den frühen 1950er Jahren wurden die mit konventionellen Bordfluganlagen ausgestatteten Flugzeugmutterschiffe bzw. Flugzeugtender überflüssig und ausgemustert. Auch bei den Kreuzern verschwanden diese Anlagen, wobei die Bordhubschrauber nach und nach auch auf kleineren Einheiten wie Zerstörern und Fregatten Einzug hielten.

Darüber hinaus leisten sich viele Länder so genannte Hubschrauber- und Flugzeugträger.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Förderverein Arado 196 e.V.